„Tokyo Blue“ (Arbeitstitel)

Markus Seidl 2003/04

Lineares Panorama 1500*127qcm Lambdaprint


dies ist lediglich die rechte haelfte des panoramas. der rest ist noch unfertig!

english version

Tokyo sollte am Besten als Ansammlung verschiedener Städte betrachtet werden welche zusammengewachsen und durch verschiedene ober- und unterirdische Bahnen verbunden sind.

Zwischen a und b fliesst der Sumida-River durch Tokyo und schliesslich in der Tokyobay ins Meer.

Aus der Asakusa Station betritt man die Stadt und der Blick wird durch einen schwarzen Monolithen mit goldener Schaumkrone gefesselt. Die von Philip Starck designte Asahi-Brauerei.
Schweift der Blick nach unten, an den vorbeifliessenden Sumida, besser dessen Uferpromenade entlang wird man schnell vieler kleiner blauer Gebilde gewahr. Wohnstätten von Obdachlosen die jene unter Duldung der Obrigkeit dort errichtet haben.

In diesem Falle nehme ich die Obdachlosigkeit und reduziere Ihre Auswirkungen auf ein rein ästhetisches Phänomen.
Die Frage nach den sozialen Ursachen der Obdachlosigkeit wird nebensächlich, tatsächlich steht im Mittelpunkt das Blau der zur Hausabdichtung verwendeten Planen.
Die Obdachlosigkeit wird als Tatsache anerkannt, als Phänomen welches ästhetisch untersuchenswert ist.
Interessanter als die sozialen Ursachen der Obdachlosigkeit wird die Herkunft der blauen Plane.
Warum dieses Blau?

Es hat gerade in letzter Zeit verschiedene fotografische Kommentare zu diesem Thema gegeben, allerdings hat keiner das Phänomen im örtlichen Kontext betrachtet so wie ich es vorhabe.

anmerkung: dieses beispiel ist links beschnitten und bildet nur die hälfte des endproduktes ab.

originalhöhe: 127 cm. die unschärfe ist durch die jpg kompression bedingt. im browser nach rechts scrollen!

im original rot markierter ausschnitt, ca halbe grösse des endproduktes:

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Dieses Bild verlässt, obwohl es den gegenteiligen Anschein erweckt, den fotografisch abbildbaren Bildraum.

Im Gegensatz zu klassischen Panoramen die in all ihren Segmenten von einem Standpunkt aus aufgenommen werden wird dieses lineare Panorama von parallel zur Bildebene versetzten Standpunkten aus aufgenommen.
Die dadurch entstehenden Parallaxenprobleme (nur in einer Ebene lässt sich das Bild "richtig" zusammensetzen) werden im Vordergrund (der unteren Bildhäfte: dem Wasser) ignoriert und durch Überblendungen unsichtbar gemacht.
Die Uferpromenade wird richtig zusammengesetzt, der Bildhintergrund durch Montage und Retousche wirklichkeitsgetreu gestaltet.
Möglich wird diese Montage durch eine Überfülle von Bildern, im vorliegenden Beispiel das ca. die Hälfte dieses Ufersegmentes zwischen zwei Brücken abbildet, sind es mehr als 90 Hochformataufnahmen.
Das vorliegende Material ist mit scharfzeichnendem 105mm Objektiv auf hochauflösendem KleinBild-Diafilm realisiert, die Auflösung ist sehr gut, leider stand mir nur ein 2800dpi Scanner zur Verfügung.
Die Endvariante wird im Februar 2004 auf MittelFormat Dia mit 150mm Optik realisiert und High-End gescannt.
Dadurch ergibt sich der gewünschte Effekt eines hochaufgelösten Bildes welches dem Betrachter einerseits aus der Ferne einen Blick auf das Ufer erlaubt und andererseits aus der Nähe ein detailliertes Bild der Häuser und Ihrer Bewohner zulässt. (Mensch ca 3,5 cm gross)


Das beiliegende Beispiel welches das Endprodukt skizzieren soll bildet nur die Hälfte der Länge des Endproduktes ab.

In der unteren Bildhälfte ist es fertig montiert, in der oberen Bildhälfte habe ich aus Zeitgründen auf Montagen verzichtet.

Im finalen Bild wird auch in der oberen Bildhälfte ein täuschend „echtes“ Abbild zu sehen sein.

Markus Seidl 11/03